Mai 28 2017

Katzenbody oder Plastik-Kragen? Unsere Katze nach der OP

Ein Model auf dem Laufsteg?

Weit gefehlt – unsere fesche Katzendame Minou ist kürzlich operiert worden. Sieht man es ihr an? Sie erfreut sich an den Sonnentagen im Garten, ihre pelzigen Freundinnen haben sie ausgiebig bewundert und sie ist in ihrer Bewegungsfreiheit keinesfalls eingeschränkt. Sie macht einen ziemlich entspannten und zufriedenen Eindruck. Selbst der Gang zur Toilette ist völlig unproblematisch. Dies hat sie einem speziell für  Hunde und Katzen entwickelten Katzenbody zu verdanken! Meiner Meinung nach ist das die perfekte Lösung, Katzen in der postoperativen Phase psychisch zu unterstützen, statt sie mit einem Plastik-Kragen zusätzlich einzuschränken und sie mit ihrem Schmerz allein zu lassen. Das Immunsystem kann seine Arbeit verrichten, der Heilungsprozess verläuft besser. Und trotzdem kann sie sich  die Fäden nicht selber ziehen, oder an der Wunde lecken.  Durch einen ausgeklügelten Häkchenverschluss kann sich Minou auch nicht selber den Body ausziehen. Ich bin total begeistert und kann das Teil mit bestem Gewissen weiter empfehlen.

 

Versetzen wir uns einmal in die Lage der frisch operierten Katze. Das erste, was sie in der Aufwachphase in der Tierarztpraxis empfindet, sind wahrscheinlich Schmerzen und Übelkeit, gepaart mit Angst vor der unbekannten Umgebung, die dann auch noch nach vielen anderen ängstlichen Tieren und Desinfektionsmittel riecht. Dazu kommt die erst einmal eingeschränkte Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeit. Das heißt nichts anderes, als dass die Katze  hochgradig gestresst ist und Angst empfindet!

Okay, dann kommt Frauchen oder Herrchen – ein kleines Gefühl der Erleichterung durchflutet unseren Pelzbären. Aber was passiert nun zu Hause? Unsere Katze hat eine durch Schmerzen veränderte Wahrnehmung und erträgt vielleicht die Unterschreitung der Individualdistanz von Seiten ihrer Pelzfreunde in dieser Situation nicht. Defensive Aggression z. B. in Form von Fauchen kann die Antwort auf jegliche Annäherung sein. Aber jede Katze ist anders und die extreme Anspannung kann auch zu umgerichteter Aggression führen. Das heißt nichts anderes, als dass unsere vielleicht sonst so friedliche Katze plötzlich ihre Mitkatzen angreift, obwohl diese doch gar nichts getan haben, außer zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Sie dienen lediglich als Ventil zur Entladung ihrer hochgradigen Erregung.

Haben wir einen recht tapferen Patienten, der die ganze Tortour in sich gekehrt und friedlich über sich ergehen lässt, kann in einem Mehrkatzenhaushalt der Stress aber auch durch das vierpfotige Begrüßungskomitee entstehen. Die frisch operierte Katze riecht anders (nach Tierarztpraxis und Stress/ Angst), sieht anders aus (durch geschorene Stellen oder Verbände), bewegt sich unkoordiniert und verhält sich insgesamt anders. Das Fazit für die Mitkatzen: das kann nicht unsere Freundin sein! ….und schon geht die Aggression von den anderen Katzen aus.

Nun stellen Sie sich einmal vor, was die Katzen wohl empfinden, wenn dann noch zusätzlich eine Halskrause zum Einsatz kommt!  Unsere Patientin steht in der wichtigen Genesungsphase unter massivem Dauerstress, da sie in ihrem Gesichtsfeld und ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt ist. Die Futter- und Wasseraufnahme und auch der Gang zur Toilette werden zum Problem. Im Mehrkatzenhaushalt reagieren die anderen Katzen häufig panisch auf dieses überall aneckende Wesen und der Stress in der Katzengruppe ist  vorprogrammiert.

 

Ich bin jedenfalls sehr froh, eine katzenfreundliche Lösung für unsere Minou gefunden zu haben und kann den Katzenbody im Sinne unserer Pelzfreunde wärmstens weiter empfehlen. Es gibt ihn in verschiedenen Größen und er kann auch maßgenau angefertigt werden.

Im Idealfall gewöhnt man die Katze schon rechtzeitig an das Tragen eines Bodys, damit dieses andere Körpergefühl für sie von vornherein mit positiven Erlebnissen belegt ist.

Sehr hilfreich ist in diesem Zusammenhang auch das spielerische Training im Katzen-Kindergarten, wo die Kätzchen bereits sehr früh auf solche Situationen vorbereitet werden.

Empfehlenswerte Literatur zu diesem Thema:

Tierarzttraining für Katzen, Christine Hauschild

Katzen-Kindergarten, Sabine Schroll

Der Katzenbody ist hier erhältlich:

mizmiz


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Veröffentlicht28. Mai 2017 von Alpenwichtel in Kategorie "Katzenpsychologie